Zwischen Dialog und Mission
Der erste Tag beim Deutscher Katholikentag in Würzburg: Zwischen Regen, Dialog, Spiritualität und besonderen Begegnungen – persönliche Eindrücke eines muslimischen Teilnehmers.
Heute durfte ich im Rahmen eines Stipendienprogramms meiner Universität am Deutscher Katholikentag in Würzburg teilnehmen. Das heutige Programm bestand aus Gruppenbesprechungen, dem Eröffnungsgottesdienst, verschiedenen kulturellen Veranstaltungen, Musik auf den Bühnen der Stadt sowie vielen Begegnungen und Gesprächen über Religion, Gesellschaft und interreligiösen Dialog.
Hier sind einige meiner persönlichen Eindrücke vom ersten Tag. Eigentlich wollte ich noch viel mehr schreiben, denn es gab heute unglaublich viele spannende und besondere Momente. Aber inzwischen ist es schon spät geworden – und morgen wartet ein weiterer langer Tag mit neuen Begegnungen, Erfahrungen und sicherlich noch mehr Eindrücken auf mich. Viel spaß beim lesen
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Wir hatten etwa eine Stunde Pause, also entschied ich mich, ein wenig durch die Stadt zu laufen, Musik zu hören und die verschiedenen Bühnen und Konzerte anzuschauen.
Plötzlich sprach mich jemand von hinten auf Arabisch an: (Min ayna anta?) – „Woher kommst du?“ in Hocharabisch.
Ich lächelte und antwortete auf Ägyptisch: (Ana min Masr) – „Ich komme aus Ägypten.“
Danach wollte er mir eine Bibel geben bzw. verkaufen. Ich bedankte mich freundlich und sagte mit einem Lächeln:
„Danke, ich habe bereits eine Bibel zu Hause, und ich bin Muslim mit Interesse am interreligiösen Dialog.“
Zunächst dachte er offenbar, ich meine den Quran – vielleicht auch, weil Jesus im Islam eine große Rolle spielt. Dann sagte er jedoch sehr deutlich zu mir:
„Du brauchst dieses Buch, sonst kommst du in die Hölle.“
Für einen kurzen Moment dachte ich, ich hätte ihn vielleicht wegen der Sprachbarriere falsch verstanden. Aber nein – ich hatte ihn richtig verstanden. Er meinte konkret: Wenn ich nicht an die Kreuzigung Jesu und das daraus entstandene christliche Verständnis von Erlösung glaube, würde ich in die Hölle kommen.
Ich schaute ihn respektvoll an und antwortete mit einem Lächeln:
„Ich schätze Ihre Zeit und Ihre Mühe sehr. Aber wir Menschen können nicht entscheiden, wer in die Hölle kommt und wer nicht.“
Für mich hat dieser Moment einen wichtigen Unterschied gezeigt: den Unterschied zwischen echtem Dialog und Missionierung. Interreligiöser Dialog beginnt mit Respekt, Zuhören und der Anerkennung der Menschlichkeit des anderen – nicht mit Angst.
Vorher, nach unserer morgendlichen Gruppenbesprechung sind wir gegen 10 Uhr gemeinsam zum Eröffnungsgottesdienst des Deutscher Katholikentag in Würzburg gegangen – zusammen mit Hunderten anderen Menschen aus ganz unterschiedlichen Hintergründen und auch in Anwesenheit von Frank-Walter Steinmeier ( Der Bundespräsident , Deutschland).
Als Muslim, der den interreligiösen Dialog sehr schätzt, versuche ich solche Gelegenheiten wahrzunehmen, um andere religiöse Erfahrungen und Traditionen mitzuerleben und besser zu verstehen – solange ich die Möglichkeit dazu habe.
Während des Gottesdienstes begannen plötzlich alle, sich gegenseitig mit den Worten „Friede sei mit dir“ zu begrüßen. Sofort musste ich an die islamische Begrüßung „Assalamu alaykum“ denken – „Friede sei mit dir“.
Also begann auch unsere Gruppe, sich gegenseitig so zu begrüßen:
„Friede sei mit dir“ und „Assalamu alaykum“.
Es regnete fast den ganzen Gottesdienst über. Doch gegen Ende hörte der Regen plötzlich auf und die Sonne kam heraus. Es wirkte fast symbolisch – wie eine Szene aus einem Film.
Am meisten faszinierte mich jedoch die Austeilung der Kommunion. So eine Szene hatte ich zuvor noch nie erlebt. Eine Frau stand dort mit kleinen Brotstücken auf kleinen Tellern, während jemand anderes wegen des Regens einen Schirm über sie hielt. Die Menschen standen ruhig und respektvoll in einer Reihe und hielten beide Hände geöffnet vor sich, während sie auf ihren Moment warteten. Zu jeder Person sagte sie:
„Leib Christi.“
Unsere Gruppe bestand aus jungen, gebildeten Männern und Frauen mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründen – Muslim:innen und Christ:innen. Die meisten Muslim:innen entschieden sich, nicht an der Kommunion teilzunehmen, da die religiöse Bedeutung dahinter nicht mit dem islamischen Glaubensverständnis übereinstimmt. Im Islam gibt es weder den Glauben an die Kreuzigung Jesu als Erlösungstat noch die Vorstellung, dass jemand die Sünden anderer trägt. Jede Person trägt Verantwortung für ihre eigenen Taten.
Trotzdem wollte ich diese besondere Erfahrung bewusst erleben – vielleicht eine Erfahrung, die ich nie wieder in meinem Leben machen werde. Also stellte ich mich zwischen die anderen Menschen, empfing ein Stück Brot und hörte:
„Leib Christi.“
Und ich aß es.
Später ging ich zurück zu einer deutschen christlichen Kollegin und fragte sie nach der tieferen Bedeutung dieses Rituals. Sie erklärte mir, dass die Kommunion symbolisiert, dass Jesus nun in der Person sei, die das Brot empfängt.
Sofort musste ich an Al-Hallaj denken – an mystische Traditionen im Islam und an seine berühmte Aussage:
„أنا الحق“ – „Ana al-Haqq“.
Ich lächelte und sagte scherzhaft:
„Dann kann ich jetzt wohl sagen: Jesus ist in mir … ich bin Gott.“
Und wir lachten alle gemeinsam.
Warum ich diese lange Geschichte erzähle?
Weil ich es faszinierend finde:
Am selben Tag, am selben Ort und während einer der größten religiösen Veranstaltungen Deutschlands wurde ich einerseits eingeladen, symbolisch Gott in mir aufzunehmen – und nur wenige Stunden später sagte mir jemand anderes, ich würde in die Hölle kommen.
Interessant.
Menschlich.
Und irgendwie auch ein wenig lustig.
Vielen Dank an alle, die mit Interesse lesen und offen bleiben – das bedeutet mir wirklich viel. Teilt gerne eure Gedanken und Erfahrungen – ich freue mich auf den Austausch! 🙂 Ma’assalama ( Auf wiedersehen) 🌙✨
P.S.: Der Text wurde von einer KI korrigiert, aber der Inhalt wurde von mir selbst verfasst, Ragab Kamal Abouhalima, Doktorand an der Philipps-Universität Marburg.

Der erste Tag beim Deutscher Katholikentag in Würzburg war voller Begegnungen, Fragen und Widersprüche: Zwischen interreligiösem Dialog, spirituellen Erfahrungen und überraschenden Gesprächen teile ich einige meiner persönlichen Eindrücke.