Muslim im Pfingstgottesdienst
Persönlicher Erfahrungsbericht über den Besuch eines evangelischen Gottesdienstes am Pfingstsonntag in einem deutschen Dorf.
Der Text reflektiert interreligiöse Begegnung, Gemeinschaftserleben und persönliche Eindrücke aus der Teilnahme an kirchlichen Ritualen.
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern war einer jener Tage, die ich als wirklich glückliche Tage bezeichnen würde.
Es war Pfingstsonntag, und deshalb hatte ich weniger Arbeit als sonst. Ich konnte in Ruhe frühstücken und den Morgen genießen, ohne die übliche Eile des Alltags. Spontan entschied ich mich, zum ersten Mal die Kirche in dem Dorf zu besuchen, in dem ich lebe.
Gegen 10:30 Uhr machte ich mich auf den Weg. Die Kirche liegt nur etwa fünf Minuten zu Fuß von meiner Wohnung entfernt. Es handelt sich um eine kleine, alte Dorfkirche, wie man sie in vielen Orten Deutschlands findet. Die Kirche war gut besucht, überwiegend von älteren Menschen, die festlich gekleidet waren. Man hatte sofort den Eindruck, dass sich die meisten schon seit vielen Jahren kennen.
Ich ging allein. Normalerweise fühle ich mich wohler, wenn ich neue Orte gemeinsam mit jemandem besuche, besonders wenn ich die dortigen Gepflogenheiten nicht kenne. Als Araber und Muslim bin ich manchmal etwas vorsichtig, wenn ich mich in einem mir fremden religiösen Umfeld bewege. Nicht, weil ich schlechte Erfahrungen gemacht hätte, sondern weil man nie genau weiß, wie man wahrgenommen wird. Trotzdem entschied ich mich, einfach hinzugehen.
Anfangs war ich etwas nervös. Zu meiner Freude entdeckte ich jedoch einen Mann, den ich aus dem Fitnessstudio kenne. Er ist ungefähr 77 Jahre alt. Wir begrüßten uns herzlich, und sofort fühlte ich mich deutlich entspannter. Wenig später kam ein weiterer Herr hinzu, ungefähr im gleichen Alter. Wir unterhielten uns freundlich, und sie luden mich ein, mich neben sie zu setzen.
Beide erzählten mir, dass sie an diesem Tag mit ihren Ehefrauen wegen der Konfirmation in die Kirche gekommen waren. Es handelte sich um eine besondere Jubiläums-Konfirmation, bei der Menschen ihrer Generation an ihre eigene Konfirmation vor vielen Jahrzehnten erinnerten. Sie berichteten mir, dass sie normalerweise nicht regelmäßig die Kirche besuchen, diese Feier jedoch eine wichtige Bedeutung für sie und ihre Familien habe.
An diesem Tag fand also nicht nur der Pfingstgottesdienst statt, sondern auch eine Konfirmationsfeier. Familienangehörige, Freunde und Verwandte waren zusammengekommen, um diesen besonderen Anlass gemeinsam zu begehen und zu feiern.
Nach dem Gottesdienst erhielten die Konfirmandinnen und Konfirmanden ihre Urkunden. Anschließend gingen sie nach vorne, schüttelten der Pfarrerin die Hand und empfingen ihren Segen. Es war ein bewegender Moment für die Familien.
Besonders interessant fand ich, dass die Gemeinde von einer jungen Pfarrerin geleitet wurde. Es war das erste Mal, dass ich persönlich erlebte, wie eine Frau einen Gottesdienst leitet. Das weckte meine Neugier und ließ mich über die unterschiedlichen Traditionen innerhalb der christlichen Welt nachdenken.
Nach dem Gottesdienst wurden wir eingeladen, an der Kommunion teilzunehmen. Mir wurde freundlich erklärt, dass ich selbst entscheiden könne, ob ich mich damit wohlfühle. Gemeinsam stellten wir uns im Kreis auf, erhielten einen Segen und bekamen Brot, das in der christlichen Tradition den Leib Christi symbolisiert. Dazu wurde ein Getränk gereicht. Zu meiner Erleichterung handelte es sich um Saft und nicht um Wein.
Für mich hatte diese Erfahrung eine besondere Bedeutung. Ich bin Muslim und schätze meinen Glauben sehr. Gleichzeitig glaube ich, dass man andere Religionen am besten versteht, wenn man Menschen begegnet, ihre Traditionen kennenlernt und ihre religiösen Erfahrungen respektvoll miterlebt.
Ich wollte nicht als Tourist in die Kirche gehen, Fotos machen und wieder verschwinden. Ich wollte verstehen, zuhören und lernen. Natürlich gibt es Dinge, die ich als Muslim anders sehe oder nicht teile. Aber das hindert mich nicht daran, den Glauben anderer Menschen mit Respekt zu betrachten.
Besonders beeindruckt haben mich die gemeinsamen Lieder und die Atmosphäre der Gemeinschaft. Es war faszinierend zu beobachten, wie Menschen durch Musik, Gebet und Rituale miteinander verbunden werden.
Am Ende verließ ich die Kirche mit einem Gefühl der Dankbarkeit. Nicht, weil ich meinen Glauben geändert hätte, sondern weil ich etwas Neues gelernt habe – über andere Menschen, über ihre Traditionen und vielleicht auch ein wenig über mich selbst.
Solche Begegnungen erinnern mich daran, dass gegenseitiges Verständnis nicht durch Distanz entsteht, sondern durch persönliche Erfahrungen, Gespräche und die Bereitschaft, einander offen zu begegnen.
Gleichzeitig habe ich gehört, dass manche Menschen kritisch reagieren könnten, wenn sie wüssten, dass ich als Muslim an der Kommunion teilgenommen habe. Das kann ich bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen. Trotzdem frage ich mich: Wenn wir in einer friedlichen Gemeinschaft leben und alle Umstände sicher und respektvoll sind – wären wir dann nicht auch bereit, die Gebete anderer Religionen kennenzulernen oder sogar aktiv mitzuerleben? Zum Beispiel: Würde ein christlicher Freund vielleicht einmal verstehen wollen, was Muslime im Gebet sagen oder wie ihre Rituale aussehen?
Vielen Dank an alle, die mit Interesse lesen und offen bleiben – das bedeutet mir wirklich viel. Teilt gerne eure Gedanken und Erfahrungen – ich freue mich auf den Austausch! 🙂 Ma’assalama ( Auf wiedersehen) 🌙✨
P.S.: Der Text wurde von einer KI korrigiert, aber der Inhalt wurde von mir selbst verfasst, Ragab Kamal Abouhalima, Doktorand an der Philipps-Universität Marburg.
Ragab Kamal Abouhalima

Ein persönlicher Bericht über meinen ersten Besuch eines evangelischen Pfingstgottesdienstes in einem deutschen Dorf und meine Eindrücke von Gemeinschaft, Konfirmation und interreligiöser Begegnung.