Spiritualität und Zugehörigkeit

Zwischen Spiritualität, Zugehörigkeit und der Frage nach einem echten Zuhause: Meine Eindrücke vom zweiten Tag beim Deutschen Katholikentag — über Moscheen, Kirchen, Integration und die Suche nach sicheren Räumen für unterschiedliche Stimmen und Identitäten.

Ein weiterer langer Tag voller unterschiedlicher Erfahrungen beim Deutschen Katholikentag — rund um Demokratie, Solidarität, Zusammenleben sowie das Verhältnis zwischen Muslim:innen und Christ:innen in Deutschland.

Besonders nachdenklich gemacht hat mich ein Workshop, den wir heute Morgen gemeinsam mit einer anderen Gruppe des KAAD (Katholischer Akademischer Austauschdienst) hatten. Die meisten Teilnehmenden hatten einen afrikanischen oder asiatischen Hintergrund.

Wir waren ungefähr dreißig Personen in einem großen Raum und wurden in sechs kleinere Gruppen mit jeweils etwa fünf Personen aufgeteilt.

In meiner Gruppe war eine junge Frau, die Lehramt und Religionswissenschaft studiert, zwei afrikanische christliche Doktoranden, zwei asiatische Studenten — einer davon ein muslimischer Bachelorstudent und der andere ein christlicher PhD-Student — und dann ich: ein „young-old man“ aus Ägypten und Muslim. :)

Trotz unserer unterschiedlichen Hintergründe wurde schnell deutlich, dass Spiritualität im Leben von uns allen eine wichtige Rolle spielt. Wir hatten etwa 30 bis 40 Minuten Zeit, um gemeinsam über einige Fragen zu sprechen und sie aus unseren jeweiligen Perspektiven zu beantworten.

Die Fragen lauteten:

  • Wenn du an dein eigenes religiöses und spirituelles Leben in Deutschland denkst: An welchen Orten und bei welchen Gelegenheiten fühlst du dich zuhause, akzeptiert und wohl?

  • An welchen Orten oder in welchen Situationen fühlst du dich dagegen nicht zuhause oder hast das Gefühl, dass etwas nicht passt?

  • Welche religiösen, moralischen und ethischen Werte spielen dabei eine besondere Rolle?

  • Und schließlich: Was wäre dein Wunsch?

Was mich am meisten fasziniert hat, war, dass die Antworten völlig unterschiedlich ausfielen. Für manche Teilnehmende waren spirituelle Orte wie Moscheen oder Kirchen genau die Orte, an denen sie sich zuhause und sicher fühlten. Für andere hingegen waren genau diese Orte der Grund dafür, dass sie sich ausgeschlossen oder unwohl fühlten.

Und ehrlich gesagt fand ich das ziemlich traurig. Spirituelle Orte sollten eigentlich Orte der Sicherheit, des Friedens und der Zugehörigkeit sein. Und für viele Menschen sind sie das auch tatsächlich. Einige erzählten, dass sie sich dort endlich angenommen fühlten: Sie konnten auf vertraute Weise beten, ihre eigene Sprache hören und in einem fremden Land eine neue Gemeinschaft finden.

Für andere war die Erfahrung jedoch genau das Gegenteil.

Eine Frau aus unserer Gruppe, die Religionspädagogik studiert und später Religion unterrichten möchte, erzählte, dass sie sich innerhalb der Kirche oft ausgeschlossen fühlt — einfach weil sie eine Frau ist. Ich musste kurz lachen und fragte sie scherzhaft:
„Also bist du eine Imamah?“
Dabei benutzte ich die weibliche Form von „Imam“ im Arabischen — also die Person, die das Gebet in der Moschee leitet.

Sie lächelte traurig und sagte:
„Ich würde es gerne sein, aber ich kann es nicht. Nicht weil ich nicht qualifiziert bin, sondern weil ich eine Frau bin.“

Sie erklärte, dass sie inzwischen nach anderen spirituellen Orten sucht, an denen sie nicht aufgrund ihres Geschlechts beurteilt wird.

Ein anderer Teilnehmer berichtete von ähnlichen Erfahrungen in der Moschee. Er sagte, dass er manchmal Angst habe, offen über seine religiösen oder politischen Ansichten zu sprechen — besonders dann, wenn sie von den vorherrschenden Meinungen innerhalb der Gemeinde abweichen. Als Beispiel nannte er Kritik an Erdoğan und die Sorge, dafür nicht akzeptiert zu werden. Deshalb sucht auch er nach sicheren Räumen, in denen er einfach er selbst sein kann, ohne aufgrund seiner Herkunft oder politischen Meinung bewertet zu werden.

Ein weiterer Teilnehmer erzählte, dass er lange nach einer englischsprachigen Kirche gesucht habe. Schließlich fand er eine Kirche etwa vierzig Minuten von seinem Wohnort entfernt. Für ihn wurde dieser Ort zu einem Zuhause — ein Ort, an dem er sich endlich verstanden und sicher fühlte.

Ein älterer Student unter uns, der gerade seine Promotion abgeschlossen hatte, reflektierte sehr tief über seine Erfahrungen in Deutschland. Er sagte:

„Am Anfang war es für mich nicht schwierig, die Deutschen zu verstehen. Das Schwierige war eher, sie dazu zu bringen, mich zu verstehen — meinen Hintergrund, meine Gefühle und meine Werte.“

Er beschrieb Integration manchmal als einen einseitigen Prozess. Natürlich wisse er, dass er Gast in diesem Land sei, aber trotzdem wollte er ein aktiver und respektierter Teil der Gesellschaft werden.

Daraufhin meldete sich die einzige Deutsche in unserer Gruppe zu Wort. Sie erzählte, dass ihr Vater früher oft gesagt habe:
„Wenn sie kein Deutsch sprechen, dann ist das ihr Problem.“

Doch obwohl sie großen Respekt vor ihrem Vater habe, stimme sie dieser Haltung nicht zu. Für sie müsse Integration ein gemeinsamer Prozess sein.

„Wir sind alle Teil derselben Gesellschaft“, sagte sie. „Wir können nicht erwarten, dass nur eine Seite sich verändert, während die andere einfach abwartet.“

Und vielleicht kam die schönste Reflexion später aus einer anderen Diskussionsgruppe:

Zuhause ist nicht nur ein physischer Ort. Sich sicher zu fühlen hängt nicht nur davon ab, wo man ist, sondern auch davon, wie man sich selbst sieht — wie sehr man den eigenen Werten, der eigenen Würde und Menschlichkeit vertraut.

Vielen Dank an alle, die mit Interesse lesen und offen bleiben – das bedeutet mir wirklich viel. Teilt gerne eure Gedanken und Erfahrungen – ich freue mich auf den Austausch! 🙂 Ma’assalama ( Auf wiedersehen) 🌙✨


P.S.: Der Text wurde von einer KI korrigiert, aber der Inhalt wurde von mir selbst verfasst, Ragab Kamal Abouhalima, Doktorand an der Philipps-Universität Marburg.

 

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